Presse - Diskretes Drachenviereck

In den Gerataldörfern geht der Internet-Breitbandausbau in vielfältiger Weise voran

Wenn sich an einem Donnerstagnachmittag in Martinroda Bürgermeister Günther Hedwig, Geratal-VG-Chef Frank Geißler und Antennengemeinschaftschef Martin Sauerbrey verabreden, ist der Grund nahe liegend. Es geht um irgendetwas Elektronisches.

Von Henry Trefz

MARTINRODA. Jahrelang haben die Martinrodaer stolz die Vorzüge ihres Dorfes gepriesen — für die eigene Einwohnerschaft, aber auch für diejenigen, die womöglich vorhatten, eine Haus im Wohngebiet „In den neuen Ländern" zu errichten. Bei einer vermeintlichen Kleinigkeit allerdings hatten sie — ohne eigenes Verschulden — nicht wirklich viel anzubieten: Die Versorgung mit Breitband-Internet ließ immer stärker zu wünschen übrig. Wo andernorts längst eine Bandbreite von 16 Megabit je Sekunde Stand der modernen Technik ist, können auf dem traditionellen Drahtweg, den die Deutsche Telekom als Netzeigentümer anbietet, in Martinroda allenfalls Bandbreiten von 0,3 bis 1 MBit zur Verfügung gestellt werden. Der das sagt, kennt das Thema aus eigener leidvoller Erfahrung: Geratal-VG-Chef Frank Geißler wohnt am Bahnhof in Martinroda und würde diesen Wohnsitz gern Zeit seines Lebens beibehalten, doch hat ihn das Drama um dünne Internet-Bandbreiten schon lange frustriert.
Das kennen im übrigen auch die Nachbardörfer im Geratal. Für die Neusißer wären schnelle Internetzugänge womöglich auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben worden, hätte man nicht einen Blick auf den Mast der Antennengemeinschaft geworfen. Man verließ sich nicht mehr auf traditionelle Telekommunikationsanbieter, sondem fand im Team von Ilm-Provider aus Frankenhain den besondernen Nischenanbieter. Seit eineinhalb Jahren gibt es in dem 220-Seelen-Dorf Internet-breitband über Funk (WDSL). Aktuell haben sich 35 Kunden für das neue Angebot entschieden, kein schlechter Marktanteil, wenn man weiß, dass es kaum mehr als doppelt so viele Telefonanschlüsse im Ort gibt. Auch im Nachbardorf Angelroda wird hinter den Kulissen kräftig an einer neuen Weise des Internetzugangs gebaut.

Unterdessen hat auch Martinrodas Bürgermeister Günther Hedwig den Klageruf seines Verwaltungsleiters und vieler anderer Bürger aufgenommen. Auf dem gemeindeeigenen Wohnblock „Am Gries" funkt nunmehr WDSL auch für die Einwohner des drittgrößten Gerataldorfes. Wer einen monströsen Mast erwartet hatte, sieht sich getäuscht. Kaum größer als eine Satellitenschüssel ist die viereckige WDSL-Antenne am First des Blocks. Für die 16 Mietparteien in dem Mehrfamilienhaus selbst will das Ilm-Provider-Team eine noch einfachere Lösung finden, sie sollen auf Wunsch über die Fernsehantennensteckdose einen lnternetzugang bekommen. An dieser Stelle hörte Martin Sauerbrey von der Antennengemeinschaft genau zu. Den Internetzugang Bücheloh, Langewiesen oder demnächst Angelroda könnte auch hier das Kabelnetz der Gemeinschaft für eine drahtgebundene Verteilung des Internetsignal genutzt werden.
Bei so viel Zukunftsmusik hatten die Politiker auch noch andere Ideen, die flugs als offiziell beschlossen angekündigt wurden: Auf Martinroda soll man im Bälde weltweit aktuell einen optischen Überblick haben: Dann, wenn Kommune und Internetdienstleister in Kooperation eine Webcam installiert haben. Da können dann auch die Einheimischen morgens am Schreibtisch die Fensterläden unten lassen, witzelte einer...


- 10.04.2010 17:43:00